[su_dropcap style=“flat“]G[/su_dropcap]äbe es keine Gorillas in Uganda, ich würde trotzdem hinfahren – auf jeden Fall! Ein Land wie ein Paradiesgarten, leuchtend grün wie eine Wiese nach dem Sommerregen, duftend wie ein Blumenfeld und so fruchtbar, als hätte man ganz Uganda in ein Gewächshaus gesteckt. Aber wenn man schon mal da ist, geht natürlich nichts ohne sie: die mächtigen Berggorillas, die sich tief im Wald wie in Zeitlupe durch die Bäume hangeln und ihre zweibeinigen Verwandten mit einem zutiefst menschlichen und berührenden Blick aus bernsteinfarbenen Augen anschauen.

Urwald Uganda Gorilla

Atemberaubend ist der Anblick des Regenwaldes von Uganda. (Alle Fotos: Jutta Lemcke)

Die braunen Kulleraugen von Babygorilla Ruterana

Babygorilla Ruterana lugt hinter einem Farn hervor, triefend nass, ein Regentropfen auf der Nase. Die braunen Kulleraugen fixieren das kleine Menschentrüppchen, das sich dicht an dicht zwischen mannshohe Farne drängt und die Kameras in Position bringt. Die Urwaldbäume wachsen in der Höhe zu einem dichten Gewölbe zusammen, das nur hin und wieder einige Sonnenstrahlen durchblitzen lässt.

Hier unten, in dieser Festung aus Grün, herrscht ewige Dämmerung. Verschlungene Flechten wehen wie Vorhänge von den Zweigen und die Schuhe versacken in dichten Mooskissen. Regenwald, Chlorophyll pur. Dem kleinen Ruterana wird es plötzlich mulmig angesichts der Fremdlinge mit ihren wallenden Regencapes und den schrill-bunten Rucksäcken. Der Kleine flüchtet zu Mama, die ihn in ihren Armen versinken lässt und einen strengen Blick in die Runde wirft. „Tschuldigung“, möchte man sagen und vielleicht eine kleine Unterhaltung beginnen: „Wie steht’s denn so im Dschungel, was macht die Familie?“ Unglaublich, wie menschlich die Gorillas sind. Nur um zwei Prozent weicht ihr genetischer Bauplan von unserem ab.

Mit Ruteranas Mama wäre ein kleiner Schwatz vielleicht erlaubt. Den Big Boss Kabukojo, einen gut 200 Kilogramm schweren Silberrücken, darf man hingegen nicht so einfach anquatschen. Vor allem darf man ihm nicht direkt in die Augen blicken. Unterwürfige Haltung ist angesagt, so hatte uns David Agenya bei der Einführung eingeschärft: „Wenn sich der Boss kampfeslustig zeigt oder gar anfängt, wild auf seiner Brust zu trommeln, dann heißt es: Blick senken, leicht vorbeugen, devote Haltung einnehmen. Bloß nicht wegrennen, denn das nimmt er als Aufforderung zu einem Duell um die Herrschaft in der Gorillagruppe“.

Der Gorillaboss ist ein Macho

Das möchte man nun wirklich nicht riskieren. Dieser Muskelprotz, der sich lässig zwischen die Farne fläzt, und schmatzend Blätter von den Zweigen zieht, wirkt wie eine Kampfmaschine in Ruhestellung. „Er ist heute super relaxt“, flüstert Goreth, die unsere Trekking-Gruppe anführt. „Er liebt es, wenn seine ganze Familie um ihn herum ist, die Babys in den Bäumen turnen und die Mamas ihm nicht in die Quere kommen.“ Ein Macho, ganz klar. Aber einer mit Gemeinschaftssinn.

16 Berggorillas zählt „unsere“ Gruppe namens Rushegura, eine Familie, die schon seit zehn Jahren Menschenbesuch bekommt. Nur so genannte habituierte Gruppen, also solche, die in mehrjährigen Gewöhnungsprozessen auf Menschen eingestellt wurden, können von Touristen aufgesucht werden – und auch das nur unter strengen Auflagen. Pro Tag darf jede Gorilla-Familie maximal für eine Stunde von maximal acht Touristen besucht werden. Ein exklusives Vergnügen, das auch seinen Preis hat.

Knapp 900 Berggorillas gibt es nur noch auf der Welt

Rund 600 US-Dollar kostet ein „Permit“, das einen einmaligen Aufenthalt erlaubt. Zwanzig Prozent der Einnahmen gehen an die umliegenden Gemeinden zum Bau von Schulen, Krankenhäusern und Straßen, der Rest an die ugandische Naturschutzbehörde. Diese ist auch für den Schutz und die Pflege des Mgahinga Gorilla National Park und des Bwindi Impenetrable National Park im Südwesten Ugandas verantwortlich, in denen die Berggorillas leben. Nur noch 800 bis 900 dieser eindrucksvollen Wesen gibt es weltweit, die Hälfte lebt in Mgahinga und Bwindi. Die anderen sind jenseits der ugandischen Grenzen in Kongo und Ruanda zu Hause.

Doch all die Daten und Fakten interessieren uns hier, mitten im dichten, nebelgetränkten Regenwald, zwischen „unseren“ Gorillas kein bisschen. Wir blicken wie gebannt auf die sanften Riesen, die sich wie in Zeitlupe durch den Dschungel hangeln. Wir schauen mit angehaltenem Atem zu, wie Baby Ruterana in einem waghalsigen Manöver über einen wackeligen Ast klettert, um ein paar Leckereien vom Nachbarbaum zu pflücken. Wir amüsieren uns, als die halbstarken Teenager Nderama, Kanyindo und Kamara den Tarzan geben und sich von Liane zu Liane durchs Gebüsch schwingen und wir senken respektvoll den Blick, als Big Boss Kabukojo nur wenige Meter von uns entfernt durchs Geäst knackt und einen Schwarzrücken kurzerhand zur Seite kickt.

„Noch zehn Minuten“, wispert Goreth in die Stille. Unsere Zeit ist um. Auch der Wettergott scheint zu meinen, dass wir nun zu gehen haben. Er schickt einen gewaltigen Tropenregen. Erst ein Rauschen in den Baumkronen, dann tröpfelt es von den Blättern und schließlich schüttet es, als hätte jemand die Dusche angestellt. „Eine Regenwalddusche, kennt man ja aus dem Hotel“, knurrt Pastor, ein Amerikaner aus Florida, der mit seiner Frau Michelle die Reise zu den Berggorillas angetreten hat.

„Ich schwöre es, ich hab’s genau gesehen – er grinst!“

Pastor und all die anderen mit teuren Kameras und langen Objektiven ausgestatteten Mitstreiter fluchen und versuchen, ihr Equipment trocken in die Fototaschen zu bekommen. Silberrücken Kabukojo hockt dagegen völlig unbeeindruckt im prasselnden Regen, der in dichten Schleiern durchs Gebüsch zieht. Er beäugt, die Arme lässig vor der Brust verschränkt, das hektische Treiben der Menschlein und – ich schwöre es, ich hab’s genau gesehen – er grinst.

Tipps fürs Gorilla-Trekking in Uganda

Einige Gorilla-Familien in den Nationalparks Mgahinga und Bwindi sind zwar an Menschen gewöhnt, trotzdem handelt es sich um frei lebende Tiere. Ihr Aufenthaltsort wechselt ständig. Um den Touristengruppen einen Besuch zu ermöglichen, sind Tracker unterwegs, die die Gruppen lokalisieren und die Besucher gezielt hinführen.

Die Fußmärsche zu den Affen können zwischen unter einer Stunde bis zu drei bis vier Stunden dauern. Eine gewisse Grundfitness ist unerlässlich. Das Gelände ist zum Teil steil und der Boden glitschig. Feste Wanderschuhe sind sehr zu empfehlen. Wanderstöcke, die in dem rutschigen Gelände sehr hilfreich sind, gibt es vor Ort.

Es ist außerdem ratsam, sich einen Träger für rund 20 US-Dollar zu leisten. Zum einen verschafft man damit den jungen Männern und Frauen aus den umliegenden Dörfern einen lukrativen Job, zum anderen sind die Träger eine echte Hilfe. Sie schultern nicht nur schweres Gepäck wie Wasservorräte, Proviant und Regenjacken, sondern helfen auch an schwierigen Wegstrecken wie Flussdurchquerungen oder sehr steilen und rutschigen Stellen.

Wer krank ist, darf nicht zu den Tieren

Wer Fotos machen möchte, sollte seine Ausrüstung möglichst immer griffbereit haben, denn viele Szenen bieten sich überraschend und nur für kurze Zeit. Eine Erschwernis ist die relative Dunkelheit, falls man die Gorillas tief im Regenwald findet. Ein Blitz ist nicht erlaubt. Man sollte sich mit einem lichtstarken Objektiv ausrüsten und eventuell die ISO-Zahl anpassen. Ein guter Regenschutz, auch für die Kameras und die Kameratasche ist ein Muss. Der Tropenregen kommt plötzlich und ist heftig. Ein paar extra Plastiktüten im Gepäck sind für den Notfall hilfreich.

Wer kränkelt, zum Beispiel eine Erkältung hat, darf nicht zu den Tieren. Die Gorillas könnten sich angestecken und haben kaum Abwehrkräfte gegen Infektionen, die von Menschen übertragen sind. Es muss auch penibel darauf geachtet werden, keine Abfälle und auf keinen Fall Snacks im Wald zu lassen. Gorillas sind neugierig und könnten davon kosten. Man möchte auf jeden Fall verhindern, dass sich die Gorillas an diese menschlichen Gaben gewöhnen. Sie würden nicht nur ihre angestammte Lebensweise ändern, sondern möglicherweise auch den Wald verlassen und in die Dörfer kommen, was zu einem ernsthaften Mensch-Tier-Konflikt führen und die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung auf die Probe stellen würde.

Die meisten habituierten Gorilla-Gruppen gibt es in Bwindi (16 Gruppen), im Mgahinga ist es nur eine. Beide Parks haben ihre Vor- und Nachteile. Bwindi bietet ein echtes Regenwald-Erlebnis. Die Trekking-Touren führen über glitschige Wege und durchs Gebüsch. Da der Regenwald dicht ist, können Blätter und Äste die Sicht auf die Tiere erschweren. Mgahinga liegt im Gebiet der Virunga-Vulkane und ist gebirgiger, was das Trekking wegen der Anstiege anstrengend machen kann. Die Vegetation ist nicht ganz so dicht, was das Sehen erleichtert, doch auch hier kommt es auf die individuelle Situation an.

Bwindi National Park. Eintritt: 40 USD pro Person (ca. 35 EUR), ist am Tag des Trackings inkludiert
Visit Uganda und Uganda Wildlife 

Weitere Stationen in Uganda

Uganda ist ein überaus reizvolles Reiseland mit wunderschönen Landschaften, tierreichen Nationalparks und gastfreundlichen Menschen. Neben dem Gorilla-Erlebnis locken weitere Highlights, unter anderem:
Queen Elizabeth National Park mit vielen Löwen, Büffeln und Leoparden. Empfehlenswert ist eine Boot-Safari auf dem Kazinga-Kanal mit einer hohen Nilpferd-Population. Im Ishasha-Gebiet kann man Topi-Antilopen, Kronenkraniche und seltene Baumlöwen sehen.

Lake Mburo National Park mit vielen Zebras, Giraffen, Büffeln sowie Leoparden und der Möglichkeit, Zu-Fuß-Safaris zu unternehmen.

Kibale Forest National Park mit einer großen Population von Schimpansen, die auf Tracking-Touren besucht werden können. Darüber hinaus gibt es Mantelaffen, Stummelaffen und als Besonderheit Waldelefanten.

[su_icon_text icon=“icon: exclamation“ icon_color=“#0f64af“]Hinweis in eigener Sache: Die Reise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen. Wir legen sehr großen Wert auf eine unabhängige und neutrale Berichterstattung, daher sind die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der jeweiligen Autoren ihre eigenen.[/su_icon_text]